Einfach erklärt
Auch ein Haushalt mit einem Ökostromtarif kann höhere Strompreise spüren, wenn Erdgas teurer wird. Der Grund ist nicht, dass jeder bezogene Strom aus Gas erzeugt wird. Gas beeinflusst die Kosten von Kraftwerken, die in bestimmten Zeiträumen für die Deckung der Nachfrage gebraucht werden – und damit die Preisbildung am verbundenen Strommarkt.
Merit-Order einfach erklärt
Im vereinfachten Modell werden angebotene Strommengen nach ihren Preisen geordnet. Die Nachfrage bestimmt, welche Angebote noch benötigt werden. Das letzte benötigte Angebot prägt den Marktpreis. Gaskraftwerke haben Brennstoff- und CO₂-Kosten; wenn sie preissetzend sind, kann ein Gaspreisanstieg den Strompreis erhöhen.
Das ist eine Erklärung des kurzfristigen Marktes, keine Beschreibung jeder einzelnen Transaktion. Reale Auktionen berücksichtigen unter anderem Gebotsbedingungen, Marktverknüpfungen und Transportkapazitäten. Strom wird außerdem langfristig über Terminmärkte und Verträge beschafft.
Ein fiktives Preisbildungsbeispiel
| Angebot | Menge | Angebotspreis |
|---|---|---|
| Erneuerbare Erzeugung | 60 Einheiten | 20 Euro/MWh |
| Weitere Erzeugung | 30 Einheiten | 70 Euro/MWh |
| Gaskraftwerk | 20 Einheiten | 120 Euro/MWh |
Bei einer Nachfrage von 80 Einheiten reicht das Angebot ohne Gas, im vereinfachten Beispiel beträgt der Preis 70 Euro/MWh. Bei 100 Einheiten wird Gas benötigt, damit 120 Euro/MWh. Steigt dessen Angebotspreis auf 170 Euro/MWh, steigt der Preis im zweiten Fall entsprechend. Mengen und Preise sind reine Rechenannahmen.
Das erklärt auch, warum „nur wenige Prozent Gasstrom“ nicht bedeutet, dass Gas nur wenige Prozent des Preises beeinflusst. Umgekehrt bestimmt Gas nicht in jeder Viertelstunde den Strompreis. Wind, Sonne, Wasser, Nachfrage und verfügbare Verbindungen verändern die Lage laufend.
Warum österreichische Wasserkraft uns nicht vollständig entkoppelt
Österreich handelt Strom mit Nachbarländern. Der wirtschaftliche Wert einer Strommenge hängt deshalb auch von alternativen Verkaufsmöglichkeiten und der europäischen Versorgungslage ab. Hohe Wasserkraftproduktion kann Preise dämpfen; wenig Wasser, geringe Windproduktion oder hohe Nachfrage können teurere Angebote nötig machen.
Grenzkapazitäten sind begrenzt. Dadurch können sich Preise zwischen Gebotszonen unterscheiden. „Europa hat einen Strommarkt“ bedeutet nicht, dass überall jederzeit derselbe Preis gilt. APG: europäischer Stromhandel und Grenzkapazitäten.
Vom Großhandel zur Haushaltsrechnung
| Vertrag | Wie Preisänderungen ankommen |
|---|---|
| Fixpreis / Preisgarantie | Nach dem konkreten Vertrag; ein Börsenanstieg hebt den garantierten Energiepreis nicht automatisch auf |
| Indexierter Tarif | Gemäß dem vereinbarten Index und Anpassungsrhythmus |
| Dynamischer Tarif | Entsprechend dem vertraglich verwendeten kurzfristigen Preis und den Aufschlägen |
| Normaler Lieferpreis ohne umfassende Garantie | Vertrags- und gesetzliche Änderungsvoraussetzungen beachten |
Lieferanten kaufen oft schon Monate oder Jahre vorher ein. Daher können Großhandel und angebotene Haushaltstarife zeitweise in verschiedene Richtungen laufen. Eine Preisgarantie betrifft zudem nicht zwangsläufig Netzgebühren und staatliche Abgaben. Der Vergleich muss Energiepreis, Grundgebühr, Bonus, Laufzeit und Anpassungsklauseln umfassen.
Was heißt das für Ökostromtarife und eigene PV?
Die Stromkennzeichnung bzw. Herkunft eines Produkts ist von der Preisformel zu unterscheiden. Ein Ökostromvertrag kann einen marktbezogenen Preis haben; ein langfristiger Direktvertrag kann anders kalkuliert sein. Eigene PV reduziert den Bezug nur dort, wo sie zeitlich genutzt oder wirtschaftlich gespeichert wird. Sie verhindert keine Preisänderung für den verbleibenden Netzbezug.
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Für Fachleute: Gas ist ein Treiber, keine vollständige Prognose
Neben Gas sind CO₂-Preise, Kraftwerksverfügbarkeit, Wirkungsgrade, Wetter, Last, Transportkapazitäten und die zeitliche Beschaffung wichtig. Von einem Gas-Monatsmittel direkt auf einen festen Strompreis zu schließen, ist deshalb zu grob. Auch ein Strompreisindex ist nicht zwingend dasselbe wie das tatsächlich erreichte Monatsmittel einer bestimmten Day-Ahead-Reihe. Vergleiche benötigen denselben Zeitraum, dieselbe Preiszone und dieselbe Methode.
Tarifarten einzeln erklärt
Übersicht über Floater, Fixpreis, Spot und Bestandskundentarife – mit Preisformeln, Rechenbeispielen und Grafiken.
Das Marktbeispiel ist stark vereinfacht und fiktiv; keine Prognose für kommende Stromtarife.