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SNAP und WiNAP: Warum sich die IME-Aktivierung lohnt

Johannes Ulrich · 08. Oktober 2026

Geltendes Sommermodell und geplanter Wintertarif

Quellenstand 8. Oktober 2026. SNAP ist geregelt; WiNAP wird anhand des Begutachtungsentwurfs beschrieben. Die konkrete Wintervergünstigung und ihr Start werden erst mit der endgültigen Regelung verbindlich.

Ein Smart Meter allein reicht noch nicht, um zeitabhängige Netztarife nutzen zu können. Entscheidend sind ausgelesene Viertelstundenwerte. Die dafür häufig als IME bezeichnete Konfiguration ermöglicht den Sommer-Nieder-Arbeitspreis SNAP und hilft, das eigene Verbrauchsverhalten besser einzuschätzen. Für den geplanten Winter-Nieder-Arbeitspreis WiNAP wird die zeitliche Messung ebenfalls wichtig.

SNAP: im Sommer mittags weniger Netzarbeitspreis

Seit 1. April 2026 gilt auf der Netzebene 7 von April bis September täglich zwischen 10 und 16 Uhr ein um 20 % reduzierter Netzarbeitspreis. Der Energiepreis des Lieferanten und die übrigen Rechnungsteile werden dadurch nicht pauschal um 20 % billiger. Eine eigene PV-Anlage oder ein dynamischer Stromtarif sind dafür nicht erforderlich.

Der Vorteil wird für die qualifizierten, zeitlich gemessenen Bezugsmengen automatisch abgerechnet. Im Oktober ist das Sommerfenster bereits vorbei. Eine Aktivierung jetzt bereitet die Nutzung künftiger Zeitfenster vor; die jeweils gültige Tarifregelung bleibt zu beachten.

Wie viel bringt das? Ein Rechenbeispiel

Fiktiv: Der reguläre Netzarbeitspreis beträgt 7 Cent netto/kWh. Mit 20 % Abschlag sind es 5,6 Cent. Die Ersparnis beträgt 1,4 Cent netto je begünstigter kWh.

Fiktive Ersparnis bei 7 Cent netto Netzarbeitspreis und 20 % Abschlag
Bezug im SNAP-Fenster Ersparnis netto Mit 20 % Umsatzsteuer
500 kWh 7 Euro 8,40 Euro
1.000 kWh 14 Euro 16,80 Euro
2.000 kWh 28 Euro 33,60 Euro

Die richtige Menge ist der tatsächliche Netzbezug im Zeitfenster. Der eigene PV-Strom, der direkt im Haus verbraucht wird, verursacht dort keinen solchen Netzbezug und erhält daher keinen zusätzlichen SNAP-Abschlag. Zusätzlichen Strom nur wegen des Rabatts zu verbrauchen, spart nichts.

IME aktivieren: Viertelstunden statt bloßer Tageswerte

IME steht für „Intelligentes Messgerät in erweiterter Konfiguration“. In vielen Netzportalen bedeutet das eine viertelstundengenaue Auslesung. Die Werte werden üblicherweise gesammelt übertragen; eine Viertelstundenreihe im Portal ist keine Live-Anzeige.

  1. Im Kundenportal des Netzbetreibers anmelden.
  2. Den richtigen Zählpunkt auswählen und die Gerätekonfiguration prüfen.
  3. Wenn nötig, Viertelstundenauslesung bzw. IME aktivieren oder beim Netzbetreiber anfordern.
  4. Nach der Umstellung prüfen, ob vollständige Viertelstundenwerte tatsächlich ankommen.
  5. Auf der nächsten Abrechnung die Mengen und den vergünstigten Netzarbeitspreis kontrollieren.

Bei Energienetze Steiermark lautet der veröffentlichte Portalweg: „Meine Anlagen – Anlage anzeigen – Gerätekonfiguration“; dort den Konfigurationstyp auf IME umstellen und speichern. Andere Netzbetreiber verwenden andere Menüs. Bei einem digitalen Standardzähler im Opt-out oder fehlender Kommunikation ist eine reine Portalauswahl möglicherweise nicht ausreichend.

Welche weiteren Vorteile haben die Daten?

  • Verbrauch verstehen: Wiederkehrende Lasten und den Zeitpunkt hoher Verbräuche erkennen.
  • Tarife passend vergleichen: Eigene Lastprofile für zeitabhängige Angebote verwenden, statt nur einen Durchschnittshaushalt zu betrachten.
  • Stromteilen ermöglichen: Erzeugung und Verbrauch werden in Gemeinschaften zeitgleich zugeteilt.
  • Steuerung prüfen: Zum Beispiel E-Auto-Ladung oder geeignete Warmwasserzeiten anhand des wirklichen Verbrauchs beurteilen.

IME ändert deinen bestehenden Liefervertrag nicht automatisch in einen Spotmarkttarif. Auch eine Leistungspreisverrechnung entsteht nicht allein dadurch, dass du die Viertelstundenauslesung aktivierst. Maßgeblich ist die geltende Entgeltregelung.

WiNAP: geplantes günstigeres Nachtfenster im Winter

Der Begutachtungsentwurf der Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung sieht auf Netzebene 7 einen Winter-Nieder-Arbeitspreis für Oktober bis März, jeweils von 22 bis 4 Uhr des Folgetags, vor. Die Reform ist im Entwurf ab 1. Jänner 2027 vorgesehen. Damit wäre das erste Winterfenster Jänner bis März 2027 – sofern die Regelung entsprechend in Kraft tritt.

Das ist noch kein nachgewiesener Rabatt für Oktober 2026. Aus dem Entwurf lässt sich auch keine feste Ermäßigung von 20 % für WiNAP ableiten. Zeitfenster, Anspruch und konkrete Preise sind anhand der endgültigen Verordnungen zu aktualisieren.

Bei einer künftig stärkeren Leistungskomponente ist außerdem die Gleichzeitigkeit wichtig: Alle großen Verbraucher gleichzeitig zum Beginn einer günstigen Nachtphase einzuschalten, kann eine hohe Leistungsspitze erzeugen. Für die Gesamtkosten zählt dann mehr als der Arbeitspreis im günstigen Fenster.

Energiegemeinschaft und SNAP nicht doppelt rechnen

Die geltende Verordnung schließt die EEG-Mengen mit eigenem ermäßigten Netzarbeitspreis vom SNAP aus. Beim übrigen Netzbezug kann SNAP greifen. Bei GEA wird direkt zugeteilter Strom ebenfalls getrennt behandelt. Eine BEG hat aktuell nicht dieselbe EEG-Netzermäßigung. Deshalb immer die konkret abgerechneten Mengen betrachten.

Viertelstundenwerte schaffen die Grundlage. Der wirtschaftliche Vorteil hängt davon ab, wie viele kWh im begünstigten Fenster tatsächlich bezogen werden, welche Preise gelten und ob sich Verbrauch sinnvoll verschieben lässt.

Passend dazu: Mein Beitrag zur günstigeren Netznutzung ab April 2026 und die Wissensseite mit Vergleich und Fachdetails.

Quellen und rechtlicher Stand