Einfach erklärt
Bei einem Spot-Tarif hängt der Energiearbeitspreis von kurzfristigen Börsenpreisen ab. Je nach Vertrag wird stündlich oder viertelstündlich abgerechnet. Meist kommt ein Lieferantenaufschlag dazu; zusätzlich können ein fixer Grundpreis, prozentuale Komponenten, Preisgrenzen oder weitere vertraglich ausgewiesene Kosten anfallen.
Day-Ahead ist nicht der Monatsfuture
Am Day-Ahead-Markt entstehen Preise für die einzelnen Zeitintervalle des nächsten Tages. Der gekoppelte europäische Day-Ahead-Markt wurde zum Lieferdatum 1. Oktober 2025 auf Viertelstunden umgestellt. Ein Endkundenprodukt kann weiterhin einen stündlichen Referenzwert verwenden: Entscheidend ist seine Formel.
Der Preis wird damit häufig am Vortag bekannt. Ein Day-Ahead-Tarif ist nicht automatisch eine laufende Weitergabe aller Intraday-Geschäfte. Beim Monatsfloater gilt dagegen typischerweise ein aus Terminmarkt- oder Indexwerten berechneter Monatspreis.
So wird gerechnet
Beispielhafte Formel: Börsenpreis in Euro/MWh ÷ 10 + 2 Cent/kWh Aufschlag = Energiearbeitspreis netto. Die Kosten ergeben sich aus der Summe von Verbrauch je Intervall × Preis dieses Intervalls. Der Verbrauch muss deshalb dem passenden Preiszeitraum zugeordnet werden.
| Zeitblock | Fiktiver Energiepreis inkl. Aufschlag | Verbrauch vorher | Kosten netto |
|---|---|---|---|
| 00–04 Uhr | 8 ct/kWh | 2 kWh | 0,16 Euro |
| 04–08 Uhr | 14 ct/kWh | 4 kWh | 0,56 Euro |
| 08–12 Uhr | 6 ct/kWh | 3 kWh | 0,18 Euro |
| 12–16 Uhr | 2 ct/kWh | 10 kWh | 0,20 Euro |
| 16–20 Uhr | 18 ct/kWh | 8 kWh | 1,44 Euro |
| 20–24 Uhr | 10 ct/kWh | 3 kWh | 0,30 Euro |
Zusammen sind das 30 kWh und 2,84 Euro netto, ein persönlicher Energiearbeitspreis von rund 9,47 Cent/kWh. Der einfache Mittelwert der sechs Preise beträgt dagegen rund 9,67 Cent/kWh. Bei anderen Verbrauchsmengen kann die Abweichung wesentlich größer sein.

Was bringt Verbrauchsverlagerung?
Im Beispiel werden 5 kWh aus dem Abendblock auf den Nachmittag verschoben. Ersparnis: 5 × (0,18 − 0,02) = 0,80 Euro netto, bei 20 Prozent Umsatzsteuer 0,96 Euro brutto. Die Tagesenergiekosten sinken auf 2,04 Euro netto; die Gesamtmenge bleibt 30 kWh.
Das kann etwa mit zeitlich verschiebbarem E-Auto-Laden oder Warmwasserbereitung funktionieren. Bei Batterien sind Verluste, zusätzliche Zyklen und Investitionskosten abzuziehen. Mittag ist außerdem nicht an jedem Tag günstig; Wetter und Marktlage verändern die Preisverteilung.
Vorteile und Nachteile
- Vorteil: Günstige Marktintervalle werden nach der vereinbarten Formel unmittelbar nutzbar.
- Vorteil: Wer genügend Verbrauch verschieben kann, beeinflusst seinen persönlichen Durchschnittspreis.
- Nachteil: Hohe Preise können genau mit unvermeidbarem Verbrauch zusammentreffen.
- Nachteil: Starke Preisschwankungen und mögliche Preisspitzen machen Kosten weniger planbar; ohne Cap besteht keine obere Absicherung.
Messung, negative Preise und vollständige Kosten
Erforderlich sind geeignete Smart-Meter-Messung, Freigabe und Übermittlung der abrechnungsrelevanten Intervallwerte. Prüfe insbesondere IME-Aktivierung, Datenverfügbarkeit und die vertragliche Behandlung fehlender Werte. Portale und Viertelstundenwerte.
Ein negativer Börsenpreis ist nicht automatisch ein negativer Endkundenpreis. Lieferantenaufschlag, Mindestpreis, Netz und Abgaben können weiterhin Kosten verursachen. Auch einen günstigen Moment unnötig mehr zu verbrauchen ist nicht automatisch wirtschaftlich sinnvoll.
Vergleiche einen Spot-Tarif mit deinen tatsächlichen Viertelstundenwerten über verschiedene Jahreszeiten. Weitere Hinweise zu dynamischen Tarifen · Speicher wirtschaftlich bewerten.
Für Fachleute
Zeitstempel, Zeitzone, Sommerzeitwechsel, Intervalllänge und Mengeneinheiten müssen zwischen Messreihe und Preisreihe übereinstimmen. Der Kundenpreis ist verbrauchsgewichtet; ein ungewichteter Tages- oder Jahresbörsenmittelwert ist kein hinreichender Tarifvergleich. Ersatzwerte und Aufschlagsformel vertraglich prüfen.
Allgemeine Erklärung für Österreich, Stand 9. Oktober 2026. Sämtliche Beispielpreise und Grafikdaten sind frei gewählte Rechenwerte, keine aktuellen Angebote oder Prognosen. Maßgeblich sind das konkrete Preisblatt, die Lieferbedingungen und der Umfang einer vereinbarten Preisgarantie.