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Flex- und Floater-Tarif: monatliche Preisanpassung erklärt

Quellen geprüft am 09.10.2026 · Redaktioneller Entwurf

Einfach erklärt

Der Strompreis wird jeden Monat nach einer vereinbarten Formel neu berechnet. Fallende und steigende Börsenwerte wirken dadurch vergleichsweise schnell auf die Energiekosten.

Bei einem Monatsfloater bleibt der Energiearbeitspreis innerhalb eines Liefermonats üblicherweise gleich. Im nächsten Monat wird er anhand der vereinbarten Formel neu berechnet. Sinkt der Referenzpreis, sinkt der Tarifpreis; steigt er, wird auch Strom für den Haushalt teurer.

Welche Börsenwerte stecken dahinter?

Eine verbreitete Variante verwendet Settlementpreise eines Strom-Monatsfutures: An mehreren Handelstagen im Vormonat wird beobachtet, zu welchem Preis Strom für den folgenden Liefermonat gehandelt bzw. bewertet wird. Daraus bildet der Anbieter einen Mittelwert. Das sind nicht die täglichen Spotpreise des Vormonats.

Der Beobachtungszeitraum kann den ganzen Vormonat oder nur einen Teil umfassen. Andere Floater folgen etwa dem ÖSPI oder passen den Preis quartalsweise an. Ein Aufschlag kann als fixer Centbetrag, prozentualer Faktor oder Kombination gestaltet sein. „Abwicklungsgebühr“ ist dafür keine einheitlich festgelegte Größe; sie deckt je nach Produkt unterschiedliche Lieferantenkosten und Margen ab.

Beispiel: vom Future zum monatlichen Arbeitspreis

Wir nehmen eine frei gewählte Formel: Monatsmittel in Euro/MWh ÷ 10 + 2 Cent/kWh Lieferantenaufschlag. Es gibt keinen zusätzlichen Multiplikator und keine Preisuntergrenze im Beispiel.

Fiktive Werte; der Beobachtungszeitraum ist zur Erklärung auf fünf Handelstage verkürzt.
Beobachtungstag im Vormonat Settlement für den folgenden Liefermonat
1 100 Euro/MWh
2 110 Euro/MWh
3 90 Euro/MWh
4 120 Euro/MWh
5 80 Euro/MWh

(100 + 110 + 90 + 120 + 80) ÷ 5 = 100 Euro/MWh. Weil eine MWh 1.000 kWh hat, entsprechen 100 Euro/MWh genau 10 Cent/kWh. Dazu kommen 2 Cent/kWh Aufschlag: 12 Cent/kWh netto, mit 20 Prozent Umsatzsteuer 14,4 Cent/kWh brutto.

Fünf fiktive Future-Settlementpreise ergeben 100 Euro pro MWh Mittelwert. Umgerechnet 10 Cent plus 2 Cent Aufschlag ergeben 12 Cent pro kWh netto im Liefermonat.
Eigene Beispielrechnung. Tatsächliche Anbieterformeln, Beobachtungstage, Aufschläge und Rundungen können abweichen.

Bei 300 kWh im Liefermonat: 300 × 0,12 Euro = 36 Euro netto. Mit einem angenommenen Grundpreis von 3 Euro pro Monat sind es 39 Euro netto bzw. 46,80 Euro brutto für Energie. Netz und Abgaben kommen hinzu.

Future-Mittelwert Mit 2 ct/kWh Aufschlag 300 kWh Energie, ohne Grundpreis
80 Euro/MWh 10 ct/kWh netto 30 Euro netto
100 Euro/MWh 12 ct/kWh netto 36 Euro netto
140 Euro/MWh 16 ct/kWh netto 48 Euro netto

Wie rasch reagiert der Preis?

Ein Monatsfloater reagiert zum nächsten vorgesehenen Anpassungsstichtag, nicht laufend während eines bereits bepreisten Monats. Eine Marktbewegung kann sich schon im Folgemonat auswirken. Mittelwertbildung und Beobachtungsfenster können die Reaktion aber glätten oder verzögern. Die Aussage „innerhalb eines Monats“ ist deshalb keine allgemeine Zusage.

Vorteile und Nachteile

  • Vorteil: Sinkende Referenzpreise fließen automatisch gemäß Formel ein.
  • Vorteil gegenüber Spot: Bei einem einheitlichen Monatspreis gibt es keine starken Arbeitspreissprünge zwischen Mittag und Abend.
  • Nachteil: Auch steigende Marktpreise erreichen die Rechnung vergleichsweise rasch.
  • Nachteil gegenüber garantierten Fixpreisen: Ohne vereinbarten Cap fehlt eine obere Absicherung; die Jahresenergiekosten bleiben ungewiss.

Ein monatlich ruhiger Preis kann von einem Monat zum nächsten trotzdem stark steigen. Verbrauch vom Abend auf Mittag zu verschieben senkt bei identischem Monatspreis den Energiearbeitspreis nicht; zeitabhängige Netzentgelte oder Eigenverbrauch sind gesondert zu betrachten.

Preisblatt und Abrechnung prüfen

Welches Marktgebiet und welches Future-Produkt? Welche Handelstage? Fixer oder prozentualer Aufschlag? Mindestpreis oder Cap? Wann wird veröffentlicht? Wie werden Monatsmengen bei fehlenden Messwerten ermittelt? Eine monatliche Preisänderung bedeutet außerdem nicht automatisch eine Monatsrechnung: Teilbeträge und Jahresabrechnung können bestehen bleiben.

VERBUND beschreibt eine Formel aus Monatsfuture-Mittel, Faktor und Fixpreisanteil; aWATTar MONTHLY verwendet ebenfalls Monatsfutures, mit eigenem Beobachtungs- und Veröffentlichungsablauf. Diese Quellen zeigen Varianten und sind keine Anbieterempfehlung.

Für Fachleute

Bei Futures-Floatern Beobachtungsmonat, Liefermonat, Settlementkalender, Base-/Peak-Produkt, Marktgebiet, Aufschlagsfaktor, Fixpreisanteil, Rundung und Preisgrenzen getrennt dokumentieren. Monatspreisänderung, Verbrauchszuordnung und Rechnungsintervall sind eigenständige Prozesse.

Gültigkeit und Hinweise

Allgemeine Erklärung für Österreich, Stand 9. Oktober 2026. Sämtliche Beispielpreise und Grafikdaten sind frei gewählte Rechenwerte, keine aktuellen Angebote oder Prognosen. Maßgeblich sind das konkrete Preisblatt, die Lieferbedingungen und der Umfang einer vereinbarten Preisgarantie.

Quellen